“Ich habe einen Fehler gemacht.” Dieser Satz kann sich sehr unterschiedlich anfühlen: Peinlich, belastend, als Beginn eines Geständnisses, in Erwartung einer unangenehmen Reaktion. Oder erleichtert, verheißungsvoll – wir teilen mit einem Vertrauten, was wir gelernt haben und welche neue Erkenntnis uns endlich der Lösung näher bringt.
Ich habe sehr gute Erfahrungen damit gemacht, mit meinen eigenen Fehlern offensiv umzugehen und sogar aktiv auf die hinzuweisen, die sonst niemand bemerkt hätte. Das kann Vertrauen aufbauen und andere ermutigen, selbst offener zu sein. Fehler und Unsicherheiten zuzugeben ist für mich ein Zeichen von Stärke. Es ist eine Schwäche, Fehler zu vertuschen oder sie gar nicht erst einzusehen.
(Vielleicht hat es mir geholfen, als Entwickler ins Berufsleben einzusteigen: Durch Reviews, Retrospektiven oder Pair Programming wird unter Entwicklern die Kommunikation über Fehler anscheinend häufiger geübt als in anderen Berufen.)
Es gibt natürlich auch schwierige Konstellationen, in denen es klug ist, Fehler vorsichtig oder im kleineren Kreis zu kommunizieren, damit die eigene Ehrlichkeit nicht missbraucht wird. Und wer mich kaum kennt und so weit weg von meiner Arbeit ist, dass er nicht sehen kann, was ich gut mache, braucht auch Informationen über meine Erfolge, nicht nur über meine Fehler, damit kein falscher Eindruck entsteht (die Redewendung “sich verkaufen” mag ich nicht). Aber da, wo man sich gut kennt und einander vertraut, ist ein offener Umgang mit Fehlern etwas Wunderbares.
Angeblich ist eine gute Fehlerkultur im Unternehmen heute fast selbstverständlich. Aber auch wenn sie schnell in die Liste der Unternehmenswerte aufgenommen ist, bleibt sie schwer zu erreichen. Es gibt immer wieder Menschen, die partout keine Fehler zugeben können oder ernsthaft davon überzeugt sind, dass immer jemand anders Schuld ist. Überlegenheitsgefühle, Stolz, Unsicherheit, Angst, Konkurrenzdenken sind menschlich. Gelernte Verhaltensweisen – Druck weiterzugeben, Fehler zu vertuschen, schönzureden, totzuschweigen statt aufzuarbeiten – sind kaum zu ändern. Glückwunsch, wenn es doch funktioniert!