2013-09-04

Software für Journalismus – zwei Ideen vor dem scoopcamp 2013

[Sorry for the German blog post – I’ll publish an English version soon.]

Ich arbeite für Digital Collections, einen Hersteller von DAM-Systemen (und mehr) mit Kunden hauptsächlich aus der Verlagsbranche. Deren Umbruch beobachten wir aus der Nähe und machen uns Gedanken darüber… Hier zwei Ideen, die ich aus meiner Perspektive als Software-Entwickler und Dokumentar für den “Journalismus der Zukunft” habe und an deren Verwirklichung ich gern mitarbeiten würde. Ich freue mich über Ergänzungen und Nachfragen; per Mail oder Twitter oder gern persönlich auf dem scoopcamp 2013 in Hamburg (das für mich der Anlass ist, diese Ideen aufzuschreiben).

(Hinweis: Das sind meine eigenen Vorstellungen, ich spreche hier nicht für meinen Arbeitgeber!)

1. “Deine Themen im Blick behalten” – ein Themenportal für den Leser

Den aktuellen Überblick – “was passiert gerade Interessantes in meiner Nähe und dem Rest der Welt?” – bekommt man prima über die gedruckte Zeitung, Fernsehen und Radio oder eine Nachrichtenseite im Web. Sich punktuell über ein spezielles Thema zu informieren (“Mesut Özil wechselt? Das muss ich lesen”), klappt auch recht gut über die Suchfunktion des Online-Auftritts oder Suchmaschinen.

Schwierig ist es dagegen, über ein Thema laufend informiert zu bleiben. Ich interessiere mich z.B. für den Themenbereich “Jugendamt” und das Thema “Snowden/NSA-Affäre”. Mein Wunsch als Leser: “Ich möchte es mitbekommen, wenn Presse, Radio, Fernsehen oder Blogs etwas Wichtiges zu meinen Themen veröffentlichen.” Um es dann lesen/hören/sehen zu können. Gern auch mal gegen Bezahlung.

Für den Fußballfan gibt es viele Angebote, er verpasst nicht viel. Ansonsten finde ich nur mit Glück eine Themenseite (aber nur für eine Nachrichtenquelle, hier ein SPIEGEL-ONLINE-Beispiel). RSS-Feeds sind meist nicht themenspezifisch und auch nur aus einer Quelle. Und die Mühe, die eher mittelmäßigen Google Alerts einzurichten, mache ich mir auch nur selten.

Andreas Fischer fragt: “Warum gibt es nicht längst ein gemeinsames Portal unserer Tageszeitungen, das ähnlich wie Google News dafür sorgt, Leser auf die einzelnen Websites weiterzuleiten?” Die “Paywalls” werden mehr, vielleicht könnte eine Art “iTunes Store für Verlagsinhalte” entstehen. Der hätte aber ein Problem mit der Kleinteiligkeit der Inhalte. Bei Musik bieten sich Seiten für Künstler und Alben an. Die Flut von täglich ein paar zehntausend neuen Artikeln muss ebenfalls sinnvoll gruppiert werden, um einen leserfreundlichen Zugang zu bieten. Meiner Meinung nach wäre eine Gruppierung nach Thema ideal.

Also eine Website, die die aktuell in den Medien behandelten Themen auflistet und für jedes Thema eine Seite anbietet, die täglich (oder noch öfter) aktualisiert auf passende Artikel verlinkt. Artikel auf den bekannten Nachrichten-Websites, aber gern auch von guten Blogs, aus den Archiven, Hintergrundinfos bei Wikipedia oder Hinweise auf Fernsehsendungen. Mit Veröffentlichungsdatum, Name der Quelle, Überschrift, Umfang (lang/mittel/kurz), Autor und einem Hinweis, falls der Artikel hinter einer Bezahlschranke liegt. Ich kann mich per RSS-Feed oder E-Mail benachrichtigen lassen, wenn neue Links hinzukommen. 

Das würde ich mir als Leser wünschen. Und ich halte es für machbar!

Update: Hier ein Prototyp einer Themenseite für das scoopcamp 2013. S. auch meinen Blog Post Journalismus: Themenzentriertes Arbeiten, vernetzte Beiträge und hilfreiche Software.

2. Ein offenes Netzwerk für Anbieter von Bildern und Texten – und eine Suchmaschine für den Redakteur

Noch nie bestanden Zeitungen nur aus selbstproduzierten Inhalten. Freie, Externe, Korrespondenten, Nachrichtenagenturen, Bildagenturen liefern zu, und die eigene Produktion wird wieder anderen angeboten. Das Internet und die Digitalfotografie vereinfachen das Verteilen von Inhalten dramatisch – und das Veröffentlichen. Potentielle Anbieter und Abnehmer von Bildern und Texten gibt es immer mehr. 

Diese zusammenzubringen und einen einfachen Austausch der Inhalte zu ermöglichen (einschließlich Metadaten zu Veröffentlichungsrechten, Honorierung, Planung), ist allerdings gar nicht so einfach. Mein Ansatz: Anbieter sollten ihre Inhalte auf Webseiten (i.d.R. mit Passwortschutz) bereitstellen und sich dabei an ein paar einfache Konventionen für das Datenformat (HTML+RDFa) halten.

Das ermöglicht es anderen (z.B. Verlagen, Agenturen), mittels bewährter “Crawler”-Technik Suchmaschinen für diese Angebote aufzubauen. (In so einer Suchmaschine können natürlich auch die eigenen, internen Archive enthalten sein.) Im Idealfall findet der Redakteur dann, wenn eigene oder Agenturbilder fehlen, die Bilder vom freien Fotografen, der zufällig gerade vor Ort war und sie über das Netzwerk allen anbietet. Oder der über das Netzwerk das Angebot veröffentlicht, dort Fotos zu machen, wo er sich heute aufhält.

Solch ein Netzwerk wäre offen für beliebige Teilnehmer (die sich natürlich über die Nutzung der Inhalte einig werden müssen) und auf keine proprietäre Software oder zentrale Instanz angewiesen.

Zu diesem Thema siehe auch meine Blog-Posts Linked Data for better image search on the Web und Linked Data for public, siloed, and internal images.

Was denkst Du, was denken Sie? Braucht keiner, rechnet sich nicht? Oder ist etwas dabei, das wir gemeinsam angehen können?

Wed, 04 Sep 2013 22:10:18 +0000